2 Kandidaten steigen aus

8. Oktober 2010

Zwei der 17 Kandidaten für das Präsidentenamt in Belarus erklärten Ende der Woche ihren Rückzug aus dem Rennen. Gestern hatte der parteilose Piotr Barysow bekannt gegeben, er werde sich nicht weiter an der Unterschriftensammlung beteiligen und seine Anhänger aufgerufen, den christdemokratischen Kandidaten Witali Rymaschewski zu unterstützen. Da seine Initiativgruppe jedoch nur 114 Personen umfasste, wurde dieser Entscheidung kaum weitere Beachtung geschenkt.

Die Erklärung von Sergej Gajdukiewitsch hingegen, der heute Morgen seine Aufgabe verkündete, kam überraschend. Immerhin war seine Initiativgruppe mit 10.483 Mitgliedern nicht nur mit Abstand die stärkste aller Kandidaten, sondern auch deutlich größer als die von Lukaschenko selbst. Allerdings galt Gajdukiewitsch nie als ein ernsthafter Kandidat, sondern stets als eine Art „Taschenkandidat“ von Lukaschenko, der im Notfall den Schein einer Wahl würde zu simulieren haben. Als solcher nahm er bereits 2001 und 2006 als Kandidat an den Präsidentschaftswahlen teil und erhielt nach offiziellen Angaben 2,5 % bzw. 3,5 % der Stimmen. Seine liberal-demokratische Partei ist nach westlichen Maßstäben weder liberal noch demokratisch.

Gajdukiewitsch erklärte heute, Wahlen in Belarus seien lediglich eine Show und jeder wisse, wie das Ergebnis aussehen werde. Seine Unterstützergruppe habe bereits die notwendigen 100.000 Unterschriften gesammelt und somit den Beweis erbracht, dass die Wähler ihn unterstützen würden. Das sei die Hauptmotivation für ihn gewesen. Mit dieser mehr als fadenscheinigen Erklärung gerät sein Rückzug allerdings selbst zur höchstens mittelmäßigen Show, die nur in einer Hinsicht unterhaltsam ist: Da sowohl der Kandidat selbst als auch sein heute erklärter Rückzug als Auftragswerk gelten können, darf über die Intention des Auftraggebers spekuliert werden.

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Die Jagd nach Unterschriften – die Ernte des ersten Tages

1. Oktober 2010
Seit heute sammeln die Initiativgruppen der Präsidentschaftskandidaten Unterstützer-Unterschriften

Seit gestern sammeln die Initiativgruppen der Präsidentschaftskandidaten Unterstützer-Unterschriften

Am ersten Tag, an dem Initiativgruppen landesweit Unterstützer-Unterschriften für ihre Kandidaten sammeln konnten, wollten die meisten Stäbe noch keine konkreten Ergebnisse nennen. Pawel Sewerinets, Leiter der Initiativgruppe des christdemokratischen Kandidaten Rymaschewski, erklärte, es sei am ersten Tag vor allem um vorbereitende Arbeiten gegangen, etwa um die Ausstattung der Unterschriftensammler mit entsprechenden Ausweisen. Deshalb seien am ersten Tag ca. 2.000 Unterschriften gesammelt worden, für die folgende Zeit habe man sich aber ein Tagesziel von 4.000 – 5.000 Unterstützer-Unterschriften für Rymaschewski gesetzt. Andrej Sannikow und die Sprecherin von Jaroslaw Romantschuk meinten, sie würden Anfang nächster Woche erste Zwischenergebnisse der Unterschriftensammlung nennen können.

Einzig die Pressesprecherin von Wladimir Nekljajew gab an, am ersten Tag hätten 7. 887 Personen für den Kopf der Kampagne „Gawari praudu“ („Sag die Wahrheit“) unterschrieben.

Insgesamt 17 Initiativgruppen werden bis zum 29. Oktober Unterschriften für ihren Kandidaten sammeln. 100.000 anerkannte Unterschriften sind nötig, um offiziell als Präsidentschaftskandidat registriert zu werden.