Lukaschenko 30,05% oder klarer Sieg mit 70+X?

20. Dezember 2010

Der nicht-staatliche Fernsehsender Belsat, der aus Warschau sendet und u.a. von der polnischen Regierung unterstützt wird, hat während des heutigen Wahltages eine repräsentative Stichprobe von 1.000 Personen befragt. Die Ergebnisse der Umfrage sehen Lukaschenko bei 30,05%, in den ländlichen Gebieten habe er mit 35% eine etwas größere Unterstützung als in den größeren Städten, hier hätte er laut der Umfrage im Schnitt 28% erzielt. Nekljajew erzielte hiernach 13,7%, Sannikow 10,9% und Romantschuk 8,7%. Die Ergebnisse unterstützen die These der Opposition, dass Lukaschenko im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit verfehlt hat – damit wäre ein zweiter Wahlgang notwendig.

Nekljajew hatte seinen Stimmzettel heute demonstrativ in die Kameras gehalten, auf dem er Lukaschenko durchgestrichten hatte und Neuwahlen forderte. Sein Wahlkampfleiter, Andrey Dimitrijew, unterstrich die Forderung von Neuwahlen am 19. März ohne die Beteiligung von Lukaschenkoe während der Demonstration auf dem Oktoberplatz.

Laut Angaben der Zentralen Wahlkommission lag die Wahlbeteiligung bei 90,04%. Demnach haben knapp über 6,4 Millionen Belarussen ihre Stimme abgegeben. In Minsk lag die Beteiligung mit 83,6% deutlich unter dem Landestrend. Jermoschina hatte angekündigt um 23.30 Uhr (Ortszeit) vor die Presse zu treten. Von der Zentralen Wahlkommission in Auftrag gegebene Exit Polls sehen Lukaschenko bei deutlich über 70%.

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Lukaschenko 48,2%, Nekljajew 16,8% ?

11. November 2010

Der Journalist und Analytiker Alexander Klaskouski kommentiert heute auf der Internet-Seite www.naviny.by die Ergebnisse der neuesten Meinungsumfrage des Unabhängigen Institutes für Sozioökonomische und Politische Studien (IISEPS) zu den Präsidentschaftswahlen in Belarus. Bei einem sog. geschlossenen Rating, bei dem den Respondenten nur die Namen der sich tatsächlich um das Präsidentenamt bewerbenden Kandidaten zur Auswahl genannt werden, führt Lukaschenko mit 48,2% (gegenüber 43,6 % im September) vor Wladimir Nekljajew mit 16,8 % (gegenüber 5,1% im September), Andrej Sannikow (8,6%), Ales Michalewitsch (6,4%) und Jaroslaw Romantschuk (6,1%). Die Umfrage wurde im Oktober durchgeführt.

Die Umfragewerte von Lukaschenko sind damit niedriger als vor den Präsidentschaftswahlen 2006, und Nekljajew nähert sich den Werten, die Alexander Milinkiewitsch, Einheitskandidat der Opposition 2006, verzeichnen konnte. Hinzu kommt, dass 32,4% der Befragten bewusst ist, dass Nekljajew, der landesweit eigentlich nur als Dichter bekannt ist, als unabhängiger Präsidentschaftskandidat antreten will. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie nicht ausreichend Informationen über die Präsidentschaftsbewerber besäßen.

Klaskouski verweist darauf, dass die Werte anschaulich zeigen, warum Lukaschenko die elektronischen Medien im Land seit Jahren umfassend kontrollieren lässt. Nicht auszudenken wäre, so Klaskouski, wie anders das Bild bei auch nur teilweise freien Medien in Belarus aussähe.

IISEPS (http://www.iiseps.org) ist eines von lediglich zwei unabhängigen soziologischen Meinungsforschungsinstituten in Belarus. Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, wie zuverlässig die von IISEPS veröffentlichten Zahlen sind.