Lukaschenko nahm an den Debatten nicht teil

6. Dezember 2010

Erstmalig seit 16 Jahren wurden am Wochenende Diskussionsrunden zwischen den Präsidentschaftskandidaten für die Wahl am 19. Dezember in den staatlichen Medien organisiert und live ausgestrahlt. Alexander Lukaschenko glänzte dabei durch Abwesenheit: er hat am Samstag nicht an der TV-Debatte und am Sonntag nicht an der Debatte im Radio teilgenommen. An der lediglich 60-minütigen Diskussion im Fernsehen nahmen ansonsten alle Kandidaten teil, wodurch jeder Kandidat de facto nur wenige Minuten Redezeit hatte. Wladimir Nekljajew verließ nach seinem Anfangsstatement das Studio – wenn sich Lukaschenko der Auseinandersetzung verweigern würde, mache die Debatte keinen Sinn. An der Diskussion im Radio beteiligten sich dann schließlich nur noch drei Kandidaten: Grigorij Kostusew, Ales Michalewitsch und Victor Tereschtschenko. Vier weitere Kandidaten sendeten Stellvertreter; Sannikow und Uss waren nicht vertreten.

Die unabhängigen Kandidaten traten in der TV-Debatte geschlossen auf und unterließen es, sich gegenseitig zu kritisieren. Somit dürfte der Plan von Lukaschenko durchweg schief gegangen: Dieser schien darauf gehoffet zu haben, dass die Oppositionskandidaten mehr übereinander als miteinander diskutieren würden. Stattdessen nutzen diese aber die Gelegenheit, sich an die Wähler zu richten. Statkewitsch und Rymaschewskij beispielsweise riefen erneut dazu auf, sich am 19. Dezember auf dem Oktoberplatz zu versammeln. Andere Kandidaten kritisierten Lukaschenko und sein Regime oder forderten freie und faire Wahlen. In der Radio-Debatte unterstrichen die Teilnehmer noch einmal ihren Apell an die Bürger, sich nicht an der vorzeitigen Stimmabgabe zu beteiligen – hier sei es in der Vergangenheit zu massiven Wahlfälschungen gekommen und hier werde es auch in diesem Jahr wieder zu Wahlfälschungen kommen.


Fernsehdebatten der Präsidentschaftskandidaten werden live ausgestrahlt

18. November 2010

Soeben gab die Zentrale Wahlkommission bekannt, dass die Debatten und Auftritte der Präsidentschaftskandidaten in Belarus sowohl im Radio als auch im Fernsehen live ausgestrahlt werden.

Die Auftritte der Kandidaten werden vom 22. November bis zum 03. Dezember stattfinden. Im Fernsehen werden sie an Werktagen von 19.00 bis 20.00 Uhr und im Radio von 6.10 bis 7.10 gesendet. Fernsehdebatten sind am 04. Dezember von 17.00 bis 18.00 und Debatten im Radio am 05. Dezember geplant. Die Teilnahme an den Debatten ist freiwillig, Kandidaten können auf Wunsch ihren Auftritt aufzeichnen lassen.
Die Entscheidung für Live-Übertragungen kommt überraschend, denn bis vor kurzem noch hatte die Leiterin der Zentralen Wahlkommission erklärt, die Aufzeichnung der Debatten sei eine Bedingung der staatlichen Radio- und Fernsehanstalt.


Fernsehdebatten vor den Wahlen?

6. Oktober 2010

Alexander Zimowski, Leiter der staatlichen Fernseh- und Radioanstalt BSTRC, gab bekannt, dass BSTRC und die Zentrale Wahlkommission in den nächsten Tagen eine Vereinbarung zu unterzeichnen beabsichtigten, in der die Sendezeiten für die Auftritte der Präsidentschaftskandidaten geregelt würden. Demnach ist vorgesehen, den Kandidaten die Möglichkeit zu geben, die Wähler im Fernsehen ab 19:20 Uhr und im Radio zwischen 06:10 und 06:40 anzusprechen. Außerdem werde die BSTRC anbieten,  Fernsehdebatten zwischen den Präsidentschaftskandidaten zu organisieren. „Auf Empfehlung“ würden diese Debatten, so sie letztendlich stattfinden, von einem Moderator geleitet werden. Außerdem wurde bekannt, dass Juri Prakopaw, ein für seine notorisch beißende Kritik an Oppositionspolitikern bekannter Journalist, wieder eine leitende Funktion in der Sendung „Im Zentrum der Aufmerksamkeit“ erhalten wird. Die Sendung ist eine der zentralen politischen Shows im ersten belarussischen Fernsehkanal.

Bei den letzten Präsidentschaftswahlen 2006 war allen registrierten Kandidaten 30 Minuten Sendezeit für aufgezeichnete TV-Auftritte und zwei aufgezeichnete Radioauftritte eingeräumt worden.