Wahl in Belarus spielt in den deutschen Medien keine Rolle

Die am 19. Dezember in Belarus stattfindende Präsidentschaftswahl taucht in den deutschen Medien kaum auf. Seit der Ankündigung des Wahltermines am 14. September und seit dem Start dieses Blogs am 19. September – genau drei Monate vor dem Wahltag – haben wir in besonderer Weise darauf geachtet, welche deutschen Medien über die Lage in dem östlichen Nachbarland der EU berichten. Mit wenigen positiven Ausnahmen mussten wir leider feststellen, dass – wenn über das Thema überhaupt berichtet wird – die Berichterstattung oft fehlerhaft ist. So durften wir in den letzten Tagen erfahren, dass die vorzeitige Stimmabgabe seit letzter Woche Freitag möglich ist (tatsächlich ist sie seit Dienstag möglich) und, dass dieses Jahr erstmalig internationale Wahlbeobachter eingeladen wurden (stimmt nicht, int. Beobachter waren bei allen Wahlen dabei).

Andere Medien suchen fieberhaft möglichst erschreckende Beispiele dafür, dass Belarus „die letzte Diktatur Europas“ ist. Da Sensationsfotos und beeindruckende Bilder in diesem Jahr ausblieben, entschieden sich zahlreiche Medien wohl dazu, lieber gar nicht zu berichten. Objektive Analysen und Berichte über die Entwicklungen suchten wir meistens vergeblich. Dass es jedoch genug – auch Kritisches – aus Belarus zu berichten gab und gibt, haben wir mit diesem Blog probiert zu zeigen (von möglichen Fehlern in der nicht immer einfachen Berichterstattung wollen wir uns keineswegs freisprechen).

Mit großer Erwartung haben wir uns gestern gemeinsam den Beitrag „Weißrussland: Die Wahlfarce“ der NDR-Sendung „Weltbilder“ angeschaut und wurden leider erneut enttäuscht: Zwar werden die Probleme erkannt (z.B. „Unfreiheit der Medien“), aber einen Großteil des 4:44-Minuten langen Beitrages nimmt der Tod des Journalisten Oleg Bebenin ein und die Frage danach, ob es Selbstmord war oder nicht. Zwei unabhängige Experten, die im Auftrag der OSZE den Fall untersucht hatten, waren Ende November zu dem Schluss gekommen, dass Bebenins Tod die Folge von Selbstmord durch Erhängen war. Die These von der Ermodung Bebenins ist durchaus fragwürdig, zudem bleiben durch diese Schwerpunktsetzung viele wichtige wahlbezogene Informationen auf der Strecke.

Um nicht nur zu kritisieren wollen wir aber an dieser Stelle gerne auch auf positive, lesenswerte Berichte hinweisen. So hat gestern die Deutsche Welle eine sehr gute Zusammenfassung der Vorwahl-Ereignisse (siehe hier) und heute die Wiener Zeitung heute zwei Artikel zur anstehenden Wahl veröffentlicht (siehe hier und hier).

Advertisements

2 Antworten zu Wahl in Belarus spielt in den deutschen Medien keine Rolle

  1. Auch der Österreichische Rundfunk ORF hat eine ganze Reihe von Beiträgen über die Wahl in Weißrussland gesendet. Die Links dazu sind gesammelt auf dieser Seite zu finden:
    http://www.ostblog.tv

  2. Vielen Dank für den Hinweis und die gesammelten Links!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: