Nekljajew ist gekommen – damit wer gewinnt?

„Wir sind gekommen, damit ihr gewinnt“ ist die Botschaft, mit der Wladimir Nekljajew die belarussischen Wähler für sich einzunehmen versucht. Um ihn und seine Kampagne „Gowori praudu“ („Sag die Wahrheit), die offiziell im Februar als nicht-politische Aktion gestartet wurde, gibt es nicht nur in dem noch jungen Wahlkampf den größten politischen „Hype“, mit beiden sind auch seit fast acht Monaten die wildesten Spekulationen im Land verbunden. Es ist genau so offensichtlich, dass Neklajew seine Kampagne mit für belarussische Verhältnisse unverhältnismäßig großen Mitteln betreiben kann – das Budget liegt deutlich im siebenstelligen Bereich – wie es nicht offensichtlich ist, woher die Summe kommt und wer hinter Neklajew steht. Klar ist nur, dass weder die Kampagne noch ihr Aushängeschild in Belarus verwurzelt sind. Da die Manager der Kampagne unverholen nach dem Motto agieren „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“, íst die zentrale Frage seit über einem halben Jahr sowohl, wer hier die Musik bestellt.

Russland

Die meisten Gerüchte und folglich Spekulationen ranken sich um russische Geldgeber (der Kreml, belarussische Oligarchen in Russland) und auf Nekljajew als einen russischen Gegenkandidaten zu Lukaschenko. Er selbst hat diesen Spekulationen wiederholt Nahrung gegeben: Bei der Vorstellung der Kampagne im Februar hat er auf die Frage nach den Finanziers in Richtung Moskau verwiesen; seine Präsidentschaftskandidatur hat er im – immerhin kremlkritischen – Radiosender „Echo Moskwy“ angekündigt; und im August ist er als einziger Präsidentschaftskandidat im dritten Teil der vom Kreml in Auftrag gegebenen Anit-Lukaschenko-Serie aufgetreten („Krestnyj Batska“) , die im russischen Fernsehsender NTW prominent ausgestrahlt wurde. Hinzu kommt, dass die Mittel der Kampagne offenbar als Blanko-Scheck zur Verfügung gestellt wurden und demnach auch die real finanztechnische Vorgehensweise von „Gowori Praudu“ auf den östlichen Nachbarn verweist. Nekljajew und seine Leute schwören dagegen Stein und Bein, dass sie – ja! über umfangreiche Ressourcen verfügen, dass aber keine Kopeke aus Russland kommt.

Europa

Gezielt gestreute Gerüchte sprechen von europäischen oder sogar amerikanischen Auftraggebern der Kampagne. Deutschland und vor allem Schweden, zuletzt auch Polen werden als Finanziers genannt. Wer aber auch nur halbwegs mit den sehr klaren und strengen und – cum grano salis – in den EU-Mitgliedsländern weitestgehend ähnlichen Verwaltungsvorschriften für die Verwendung von europäischen Steuergelder vertraut ist, kann zumindest staatliche europäische Unterstützung für Nekljajew ausschließen. Und von vermögenden europäischen Geschäftsleuten, die ein derart gesteigertes Interesse an Belarus haben, dass sie in einen, hm, nun ja, Dichter investieren, um möglicherweise Lukaschenko loszuwerden, ist nichts bekannt.

Belarus

Die interessanteste Theorie besagt, dass Nekljajew ein Produkt der Präsidialadministration von Lukaschenko ist. Wie das?  Nun, nehmen wir an, dass es Lukaschenko ausgesprochen wichtig ist, der EU und dem Westen zu zeigen, dass die anstehenden Wahlen in Belarus tatsächlich frei und fair verlaufen. Zugleich scheut er aber – das ist eine Charakterfrage – die demokratische Auseinandersetzung und eine tatsächliche Stimmauszählung. Um der EU eine demokratische Wahl vorzugaukeln, wird eine zweite Runde inszeniert (das gibt es nicht einmal in Russland!!). In Minsk wird gegenwärtig bereits tatsächlich darüber spekuliert, dass sich Lukaschenko auf einen zweiten Wahlgang vorbereite. Damit dieser Taschenspielertrick dann aber auch funktioniert, ist zum einen ein Gegenkandidat notwendig, der sich an das Drehbuch hält und zum anderen ein Wahltermin, bei dem man (sprich: Europa) nicht so genau hinschaut. Deshalb findet die erste Runde der Präsidentschaftswahlen am 19. Dezember statt (für Lukaschenko: knapp unter 50 %, für Neklajew: soviel, dass es für eine zweite Runde reicht) und die zweite Runde am 26. Dezember (für Lukascheno dann: elegant 85%), wenn Europa kollektiv die Weihnachtsgänse verdaut und an alles, nur nicht die Präsidentschaftswahlen in Belarus denkt.

Egal, welche Spekulation sich letztlich als richtig erweist: Gegenwärtig deutet nichts darauf hin, dass der Kandidat Nekljajew dem amtierenden Präsidenten Lukaschenko bei den Wahlen am 19. Dezember ernsthaft herausfordern könnte.

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